• Papo & Yo – Marketing oder die Verarbeitung einer schrecklichen Kindheit? 05Jun

    Papo & Yo – Marketing oder die Verarbeitung einer schrecklichen Kindheit?

Wie gerne wir doch lesen, dass die gleich zu erlebende Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Schließlich macht diese Tatsache eine Geschichte um so vieles spannender und attraktiver.

Doch dabei gibt es ein paar Ausnahmen. Denn sobald missbrauch, unrecht und Kinder Teil dieser Geschichte sind, wünschen wir und doch wieder, dass alles nur der Feder eines Autors entsprungen ist. Eine dieser Geschichte erzählt uns der Game-Designer Vander Caballero. Er, der Jahre lang bei EA gearbeitet hat und nun Teil eines kleines Indie-Studios ist, verarbeitet mit dieser Geschichte den Albtraum seiner Kindheit. So musste er jahrelang erleben wie sein Vater gesoffen und ihn und seine Verwandten misshandelt und ausgenutzt hat.

 

Nicht nur die Widmung, in der er seiner Mutter und seinen Geschwistern dankt, hinterlässt einen tiefen Eindruck. Auch die hervorragende Art eine Geschichte ohne viele Dialoge und Story-Elementen zu erzählen macht Papo & Yo zu etwas besonderem. Dabei beginnt das Spiel ganz unscheinbar. Versteckt in einem Wandschrank erleben wir wie unser Vater vor Wut tobt. Um dieser unerträglichen Wirklichkeit zu entkommen verschwinden wir in eine Fantasiewelt. Dort angekommen ist es nicht wirklich schöner, aber zumindest dem wütenden Vater sind wir vorerst entkommen. Ebenfalls erwarten uns auf der anderen Seite die verschiedensten Rätsel. Sie sind weniger schwer als nett anzusehen. So können wir z.B. mit einer Schnur eine Wand aufziehen oder große Objekte durch platzieren von Schachteln verschieben.

 

Etwas später im Spielverlauf wird das Monster, welches den Vater symbolisiert, eingeführt. Es ist zu Beginn auch ganz harmlos. Wir springen auf seinem Bauch um entfernte Orte zu erreichen und füttern ihn mit Kokosnüsse um ihn schläfrig zu machen. Doch sobald es an Fröschen leckt, welches den Alkohol symbolisiert, wird es rot vor Wut und dreht durch. Ein Happy End gibt es nicht, denn dem Monster ist nicht mehr zu helfen. Vielmehr müssen wir es am Ende töten. Wodurch auch der Erzähler, der Game-Designer Vander Caballero, seinem Vater den virtuellen Todesstoß verpasst.

 

Fazit

Auch wenn das Spiel die Geschichte ohne viele Dialoge und Story-Elemente erzählt, geht es dennoch unter die Haut. Dabei ist das eigentliche Spiel dank mäßiger Steuerung einfacher Grafik und primitiver Spielmechanik höchstens durchschnittlich. Wer sich also nur für das Spiel interessiert sollte sich besser nach einer Alternative umschauen, alle anderen werden insbesondere angesichts des günstigen Preises ihren Spaß haben.